Comedian Torsten Sträter im Interview

torsten690x379Er serviert seine Comedy mit angenehmer Stimme und gerne im Vorleser-Stil. Trotzdem bleibt er mit seinem Publikum in jeder Sekunde im engen Kontakt. Nullkommanichts macht sich im Saal ein kollektives Einverständnis breit: „Ein guter Typ!“ – Wir befragen den Gewinner zahlreicher Poetry Slam- und Comedypreise wie es so läuft bei ihm.

Hello-Comedy (H-C): Hallo Torsten! Nicht dass es wichtig wäre, aber du bist als Performer nicht eindeutig festzulegen. Wie siehst du deine Arbeit? Dürfen wir dich als Comedy-Slammer vorstellen?

Hallo, Hello-Comedy! Ich sehe es eigentlich gar nicht als Arbeit – nach dem ganzen Krams, den ich in den letzten Jahrzehnten gemacht habe, gleicht es fast bezahltem Urlaub. Jedenfalls: Ein Slammer ist man, wenn man an einem Poetry Slam, also einem Dichterwettstreit teilnimmt, das tue ich nur noch sehr selten; ich glaube fast, ich bin einfach Komiker. Aber das hätte ich mir auch nicht träumen lassen. Es ist herrlich!

H-C: Wann und wie verlief dein Weg vom Autor zum Live-Performer?

Ich habe 2004 mit dem Schreiben begonnen, damals, in der Resopal-Hölle meines Speditionsbüros. Ich schrieb und schrieb … und dann, einige Jahre später, lud mich ein Freund zu einem Poetry Slam ein. Sieht man davon ab, dass da das Zeitlimit bei fünf Minuten lag und ich nach ner knappen halben Stunde von der Bühne gezerrt wurde, liefs eigentlich. Und dann tauchte ich tiefer ab in diese Welt, in der du immer nur so gut bist wie dein Text. Ich gewann ein paar Meisterschaften, schrieb ein Buch, dann noch eins, dann kam meine Agentin Susanne Buhr … und die veränderte dann mal eben mein Leben. Zack. Und seitdem laufe ich mich frei: ich schreibe, lese vor, mache zwischendurch so eine Art Stand-Up … im Prinzip was ich will. Das verdanke ich dem Poetry Slam, meiner Agentin, aber auch Dieter Nuhr oder Stefan Raab oder Dr. Stratmann. Zum Beispiel.

H-C: Glücklich im aktuellen Job?

Glück ist flüchtig. Das Helium unter den Gefühlen. Zwischendurch in der Spitze immer mal, aber ansonsten: Hochzufrieden. Selbstbewusster. Lockerer. Ich treffe Leute die ich bewundere, das kommt noch obendrauf.

H-C: Zusammen mit Gerry Streberg und Hennes Bender machst du einen unterhaltsamen monatlichen Podcast über alles was das Nerd-Herz von Hobbits bis Zombies begehrt. Es scheint, als hättet ihr euch dieses schöne Format geschaffen, um einmal im Monat so richtig fachsimpeln zu dürfen. Was verbindet euch drei?

Was da so scheint, stimmt! Wir labern und labern; ohne Internet ständen wir längst unter gerichtlicher Vormundschaft, schätze ich, bei dem Scheiß, den wir zwischendurch erzählen. Aber zurück zum Thema: Hennes ist mein Mentor, könnte man sagen. Er ist ab und an ein bisschen knurrig, aber eine Seele von Mensch, und man lernt richtig was. Ab und zu sitzt man halt nachts um drei mit ihm in der Avengers II-Premiere, aber man muss Opfer bringen, hm? Gerry wirkt immer wie eine Figur aus einem Aardman-Knetmännchen-Film, ist aber ein hochfokussierter Drehbuch- und Hörbuchautor, belesen und schwer auf zack. Der schaut auch jeden Blödsinn im amerikanischen Original. Völlig unbekanntes Zeug. Quasi unser Auslandskorrespondent. Ich mag die beiden. Sind einfach gute Typen.

H-C: Wir empfehlen natürlich allen deine Live-Auftritte. Arbeitest du an etwas Neuem, auf das wir uns freuen können?

Ha, ich danke euch! Im Ernst. Also: Ich liefere in Kürze das neue Buch ab – erscheint im Januar und wird ALS ICH IN MEINEM ALTER WAR heißen. Bühnentexte wie FLEISCHWURST sind drin, aber auch völlig unbekanntes Zeug. Für die Bühne gibt’s immer was Neues. Ich aktualisiere sowieso immer heimlich rum, grad die Berliner wissen das. Und jede Woche schreibe ich was fürs TV … Und nächsten Sommer löte ich dann das neue Programm zusammen. Es wird bombastisch. Ich habe bereits kein einziges Wort dafür geschrieben. Vermutlich denke ich deswegen, dass es bombastisch wird.

Weitere Informationen zu Torsten Sträter gibt es auf seiner Website und die aktuellen Tourdaten stehen hier.